Was ist NLP?

Im September 2017 hatte ich Gelegenheit, auf Bali in Indonesien an einem Gipfeltreffen von NLP-Fachleuten aus fünf Kontinenten teilzunehmen. Ziel dieses Seminars war es, eine Reflexion darüber anzustoßen, wie sich NLP, das Neurolinguistische Programmieren, weiterentwickelt.
Heute sprechen wir von NLP der dritten Generation, einem Ansatz, der sich mit Beziehungsfeldern und mit der Systemik der Veränderung befasst. Bali sollte die Grundlagen dessen legen, was das NLP der vierten Generation sein wird.

Doch was ist NLP eigentlich? Was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung?
Robert Dilts, der ebenfalls auf Bali war, gehört seit Anfang der 1970er-Jahre zu den produktivsten Mitgestaltern des NLP. In diesem Interview gibt er seine Definition von NLP und stellt einige seiner Anwendungen vor.
Ein pragmatischer Ansatz
Das Neurolinguistische Programmieren (NLP) ist eine Sammlung von Modellen und Techniken der persönlichen und beruflichen Entwicklung, die dazu dienen, die Kommunikation zwischen Menschen zu verbessern und persönlich oder beruflich voranzukommen. Es ist zudem ein kraftvolles Modell des Lernens und der Veränderung.
Im Grunde ist NLP ein Ansatz, der keine Ideologie vertritt und sich jeder ausschließenden und dogmatischen Haltung widersetzt. Sein Vorgehen zielt eher auf Pragmatismus als auf wissenschaftliche Beweisführung: zum einen, weil es die Struktur des subjektiven Erlebens untersucht, die sich ihrem Wesen nach der wissenschaftlichen Methodik entzieht; zum anderen, weil es weniger nach Beweisen sucht als nach Tatsachen – auch nach einzelnen –, die zu überzeugenden Ergebnissen geführt haben, um sie zu analysieren und reproduzieren zu können.
NLP konzentriert sich also auf die erzielten Ergebnisse (Was funktioniert?) und dann auf die Prozesse, die zu ihnen geführt haben (Wie konnte es funktionieren?). Dazu modelliert es Exzellenz. Dieses große Wort bedeutet einfach: So wie man es auf eine bestimmte Weise anstellen muss, um zu scheitern, kann man auch ungewöhnliche und wirksame Wege entdecken, um zu wachsen und sich zu verwirklichen.
Was macht den Unterschied? Darum geht es, und genau diese Frage ist das eigentliche Vorhaben des NLP. Nicht mehr und nicht weniger. In diesem Sinne will NLP weniger wissen, was wahr oder falsch, moralisch gut oder schlecht ist, sondern vielmehr, was funktioniert und was nicht. Es ist ein Ansatz, der viel Abstand schafft: Er erlaubt es, die Rolle des Beobachters einzunehmen, aus manchmal begrenzten oder sogar einengenden Denkrahmen herauszutreten und die eigene Sicht der Dinge reifen zu lassen, um zu einem offeneren, selbstständigeren Akteur zu werden, der sich entfalten kann.
NLP zielt also auf persönliche Entwicklung. Es möchte praktische Werkzeuge bereitstellen, um besser zu kommunizieren, zu lernen und sich zu verändern, gestützt auf klare theoretische Modelle, deren Wirksamkeit sich an greifbaren Ergebnissen zeigt.
Der Begriff wurde in den 1970er-Jahren von John Grinder und Richard Bandler geprägt. Er stützt sich auf die Arbeit mehrerer Psychotherapeuten, darunter Milton Erickson, Virginia Satir und Fritz Perls.
Programmieren
Dieses Wort bezieht sich auf die Gesamtheit unserer Automatismen, unserer bewussten und unbewussten „Programme“, die uns dazu bringen, immer wieder dieselben kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Muster hervorzubringen.
Neuro
Gemeint sind die Neuronen, unser zentrales und unser peripheres Nervensystem, die zwischen unseren Wahrnehmungen Verbindungen herstellen – hilfreiche oder einschränkende.
Linguistisch
Denn es ist die Sprache, verbal wie nonverbal, die es uns ermöglicht, zu kommunizieren und unser Denken zu strukturieren. Die Struktur unserer Sprache spiegelt die Struktur unseres Denkens wider, und wenn wir unsere Sprache entschlüsseln, können wir unsere unbewussten Automatismen erkennen.
Die eigenen „Programme“ verändern
NLP und seine Techniken ermöglichen es jedem Menschen, einschränkende „Programme“ zu verändern und durch „hilfreiche“ Programme zu ersetzen. Die Interventionen setzen auf verschiedenen Ebenen an, die im NLP „logische Ebenen“ genannt werden: Umwelt, Verhalten, Fähigkeiten, Überzeugungen und Werte, Identität und Spiritualität.
NLP wird oft zu den „Kurzzeittherapien“ gezählt und bietet eine Reihe kraftvoller und wirksamer Werkzeuge für Veränderung, die sich auf Lösungen konzentrieren statt auf den Ursprung der Probleme. Das NLP interessiert sich mehr für die Frage „Wie bringen wir es zum Funktionieren?“ als für „Warum funktioniert es nicht?“. In diesem Sinne ist es eine entschieden lösungsorientierte Disziplin.
